Die Nicht-Gewinnspiele

19 10 2010

Irgendwie finde ich es immer wieder faszinierend wie lange man Leute anscheinend ungestraft öffentlich verarschen kann. Wenn es einmal eine Dokumentation über den Niedergang der Medienkultur geben wird, werden sicher die Call-In Spiele der diversen Privat-Sender an ganz oberer Stelle stehen.

Kleines Beispiel gefällig: auf ATV läuft z.B. folgendes Gewinnspiel:

Monikas Vater hat 5 Töchter:

Lele, Lala, Lolo und Lulu

Wie heißt die 5. Tochter?

Auch wenn man zuerst vielleicht geneigt ist, „Lili“ zu sagen, wird es für den halbwegs alle 5 Sinne beieinander habenden Zuschauer schnell klar, dass sie Monika heißt. Die Gewinnsumme beläuft sich bald auf ca. 40.000 Euro. Alle Anrufer sagen aber falsche Lösungen und das stundenlang. Am Ende wird es aufgelöst, die richtige Lösung lautet natürlich „Monika“ – dumm nur, dass es keiner erraten hat, das Geld bleibt beim Sender.

Doch damit nicht genug: nächste Woche wieder das gleiche Rätsel, wieder nur lauter falsche Antworten.

Übernächste Woche noch einmal – same procedure as every week.

Aber vielleicht ist das ohnehin nur ein Abbild der übrigen Welt und wir werden generell so zynisch verarscht, das Geld aus der Tasche gezogen und wahrscheinlich ist es ohnehin immer die gleiche Sendung, die jede Woche aus der Konserve läuft und all die kostenpflichtigen Anrufe laufen nur ins Leere.

Ich hätte Lust, eine OKTO-Sendung darüber zu machen. Vielleicht meldet sich ja ein Ex- Moderator oder -Redakteur, der unbedingt loswerden will, wie lange man das eigentlich mit seinem Gewissen vereinbaren mag! Ich merke gerade, wie der angry, young man in mir durchkommt.

Eine nette Anekdote zum Schluss: einer der Moderatoren in einem offiziellen Video zu der Frage, wie er zu dem Job gekommen ist: er hat sich damals mit den folgenden Worten vorgestellt: „Ich bin Moderator, ich mache alles.“ Ja, lieber Wolfgang, anders ist das wohl auch nicht zu erklären. 😉





Verliershows

26 02 2008

Vieles der Science Fiction Autoren tritt ja nicht 1:1 ein. In Städten z.B. schweben immer noch keine Fahrzeuge 50 m über dem Boden und verstopfen dort den Luftraum. Beim Fernsehen bin ich mir da nicht so sicher.

Stellt euch mal vor in den 60er Jahren hätte jemand eine Satire aufs zukünftige Fernsehen gedreht: es gibt hunderte TV-Programme, die dazu verdammt sind 24 Stunden rund um die Uhr zu senden. Um das Ganze zu finanzieren reichen die normalen Werbeeinnahmen nicht mehr aus – also setzt man ein paar ModeratorInnen unter Drogen (damit sie dauergrinsend und -redend die Sendung überstehen), ersinnt ein paar sogenannten Gewinnshows, bei denen man anrufen kann (die Telefongesellschaften sind technisch inzwischen so weit, dass jeder Anruf individuell höher vergebührt wird und ein Großteil dieses Geldes direkt an die TV-Sender weitergeleitet wird), d.h. jeder Anrufer finanziert direkt und ganz basisdemokratisch die Sendung, die er gerade sieht.

Aber natürlich hat jeder Anrufer die Chance etwas zu gewinnen – also eher fast schon die Verpflichtung, wenn da nicht 2 entscheidende Hindernisse wären.

1) Die Quizfragen sind durchaus lösbar, allerdings gibt es nur 2-5 Leitungen, die freigeschaltet sind (aus einer nicht näher genannten Anzahl), die zu treffen so gut wie unmöglich ist, außer wie zufällig knapp vor Ende der Sendung.

2) Die Anrufer kommen zwar dauernd durch, alle paar Sekunden ist jemand Neuer in der Leitung, aber die Fragen sind so nebulos und nicht nachvollziehbar, dass sie auch mit viel Fantasie (von Logik ganz zu schweigen – z.B. sieht man ein paar Fässer mit etlichen Aufschriften: 25 Liter, 10 Ltr. usw. – die Frage: „Zählen Sie die Liter“ – es werden Dutzende Zahlen genannt, natürlich ist keine richtig) – und so kann es schon mal passieren, dass 2-3 Stunden zur selben Frage angerufen wird ohne eine Antwort zu finden.

Der gut gemeint zynische Ratschlag der Moderatoren: man solle sich beim Anrufen ein Limit setzen. Es dürfte öfter böse Überraschungen bei der Telefonrechnung geben. Ich selbst ertappe mich auch von Zeit zu Zeit dabei, zwar nicht anzurufen aber auch nicht sofort weiter zu schalten oder überhaupt abzudrehen und z.B. ein Buch zu lesen – nur weil mich die total bescheuerte Lösung interessiert, die dann meist ohnehin nicht nachvollziehbar ist. Ich werd mich bessern …

… und euch dem Film „Free Rainer“ empfehlen, der zwar auch nur ein soziales Märchen ist – aber immerhin Mut macht!