Size does matter

2 03 2008

Wir sind es schon gewohnt. Wir drehen einen Beitrag für Okto – kommen mit unserer Kamera, einer Sony HC40, die bequem in eine normal große Hand passt (das Mikrofon ist fast größer) – und die erste Frage: „Mit dem kleinen Ding dreht ihr fürs Fernsehen?“ (so wie Schriftsteller meistens gefragt werden: „Und wovon lebst du?“)

 sony-hc40.jpg

Inzwischen haben wir uns schon Strategien zurecht gelegt und sagen gleich bei der Ankunft (bevor wir noch auspacken und die Standardfrage gestellt werden kann), dass wir heute ausnahmsweise mit der kleinen Ausrüstung drehen. 😉

Dafür sind Blickwinkel möglich, die mit der großen JVC Schulterkamera nie realisierbar wären – und manchmal können wir so unauffällig drehen, dass sich die Leute wenig gestört fühlen (was bei unseren Beiträgen über Tantra und Biodanza nicht von Nachteil war).

Und: ja es geht, was wir alle 4 Wochen auf Okto beweisen.





Verliershows

26 02 2008

Vieles der Science Fiction Autoren tritt ja nicht 1:1 ein. In Städten z.B. schweben immer noch keine Fahrzeuge 50 m über dem Boden und verstopfen dort den Luftraum. Beim Fernsehen bin ich mir da nicht so sicher.

Stellt euch mal vor in den 60er Jahren hätte jemand eine Satire aufs zukünftige Fernsehen gedreht: es gibt hunderte TV-Programme, die dazu verdammt sind 24 Stunden rund um die Uhr zu senden. Um das Ganze zu finanzieren reichen die normalen Werbeeinnahmen nicht mehr aus – also setzt man ein paar ModeratorInnen unter Drogen (damit sie dauergrinsend und -redend die Sendung überstehen), ersinnt ein paar sogenannten Gewinnshows, bei denen man anrufen kann (die Telefongesellschaften sind technisch inzwischen so weit, dass jeder Anruf individuell höher vergebührt wird und ein Großteil dieses Geldes direkt an die TV-Sender weitergeleitet wird), d.h. jeder Anrufer finanziert direkt und ganz basisdemokratisch die Sendung, die er gerade sieht.

Aber natürlich hat jeder Anrufer die Chance etwas zu gewinnen – also eher fast schon die Verpflichtung, wenn da nicht 2 entscheidende Hindernisse wären.

1) Die Quizfragen sind durchaus lösbar, allerdings gibt es nur 2-5 Leitungen, die freigeschaltet sind (aus einer nicht näher genannten Anzahl), die zu treffen so gut wie unmöglich ist, außer wie zufällig knapp vor Ende der Sendung.

2) Die Anrufer kommen zwar dauernd durch, alle paar Sekunden ist jemand Neuer in der Leitung, aber die Fragen sind so nebulos und nicht nachvollziehbar, dass sie auch mit viel Fantasie (von Logik ganz zu schweigen – z.B. sieht man ein paar Fässer mit etlichen Aufschriften: 25 Liter, 10 Ltr. usw. – die Frage: „Zählen Sie die Liter“ – es werden Dutzende Zahlen genannt, natürlich ist keine richtig) – und so kann es schon mal passieren, dass 2-3 Stunden zur selben Frage angerufen wird ohne eine Antwort zu finden.

Der gut gemeint zynische Ratschlag der Moderatoren: man solle sich beim Anrufen ein Limit setzen. Es dürfte öfter böse Überraschungen bei der Telefonrechnung geben. Ich selbst ertappe mich auch von Zeit zu Zeit dabei, zwar nicht anzurufen aber auch nicht sofort weiter zu schalten oder überhaupt abzudrehen und z.B. ein Buch zu lesen – nur weil mich die total bescheuerte Lösung interessiert, die dann meist ohnehin nicht nachvollziehbar ist. Ich werd mich bessern …

… und euch dem Film „Free Rainer“ empfehlen, der zwar auch nur ein soziales Märchen ist – aber immerhin Mut macht!





Die Frau des Zeitreisenden

21 02 2008

Ich habe ja schon vor längerem gehört, dass Audrey Niffeneggers Buch Die Frau des Zeitreisenden verfilmt werden soll. Angeblich hatten Brad Pitt und Jennifer Aniston die Filmrechte schon vor Erscheinen des Buches gekauft – wahrscheinlich wollten sie auch die Hauptrollen spielen. Alles Vergangenheit. Gedreht wird der Film jetzt trotzdem: mit Eric Bana und Rachel McAdams in den Hauptrollen.

 

In den USA soll er im Juni herauskommen. Inweiweit das Buch überhaupt verfilmbar ist, werden wir sehen. Lesbar ist es auf jeden Fall – und eines meiner schönsten Leseerlebnisse in der letzten Zeit.

Durch einen genetischen Defekt ist Henry dazu verdammt, unkontrolliert in der Zeit herum zu reisen. Allerdings immer nur für ein paar Jahre in die Vergangenheit oder Zukunft. So trifft er als über 30-Jähriger (der gerade in die Vergangenheit gefallen ist) seine zukünftige Frau Clare zum ersten Mal als kleines Mädchen. Er weiß bereits, dass er sie einmal heiraten wird, sie natürlich nicht. Als beide in den Zwanzigern sind, treffen sie sich in einer Bibliothek in der gemeinsamen Gegenwart: Clare kennt (und liebt) Henry schon jahrelang, er sieht sie zum ersten Mal und ihre Vertrautheit überrumpelt ihn.

Das ist eines der Bücher, das ich selbst gerne geschrieben hätte. Eine romantische Liebesgeschichte, bei der man durchaus den Kopf einschalten muss. Ein Buch, über das ich eigetnlich nur eines sagen kann: ich mag es!





Sch[r]i(e)l[l]es Tulln

16 02 2008

Heute war wieder mal Planungssitzung für Okto. Mein Neffe (2. Grades oder so ähnlich) war bei mir und wir haben die Late-April-Sendung (30.4.08) besprochen – das Okto-Team geht nach Tulln und schaut sich um, was von Schiele und der großen Ausstellung von 1998 übriggeblieben ist. Damals hat es sogar Schiele-Torten mit Wally aus Zuckerguss gegeben. Schiele-Brillen allerdings nicht. Und was ist es heute: Schieles Tulln oder schrilles Tulln? Oder überhaupt nur brav? Eines ist sicher: es wird die schrägste Sendung überhaupt. Mehr wird noch nicht verraten.

Eines nur: das obligate Kochen-Essen-Feiern-Video drehen wir hoch oben auf einem Grasdach in einer Bio-Siedlung am Stadtrand mit der durchaus dem Beitrag adäquaten Band Franz Kaiser & Die Spasstrompeten“. Der Song „Harmonie und Sonnenschein“ hier schon mal zum Vorhören: 

Das neue Video gibt’s aber dann erst exklusiv auf Okto.

Wer als Fan und Statist bei den Dreharbeiten dabei sein will (um es später mal seinen Enkelkindern erzählen zu können) – drop a note. Termin und Ort kommen dann geheim, exklusiv und persönlich.





Muster-Blog

29 01 2008

Nachdem der Fernsehsender OKTO für den Blog seiner Produktions-Teams auch wordpress verwendet, haben sie in ihre internen Schulungsunterlagen ein paar Beispiele für schöne und empfehlenswerte Blogs aufgenommen – z. B. diesen hier. Ich fühl mich geehrt. Danke, Renate!

 

[Foto Copyright by Okto]

So kann ich mich wenigstens gleich revanchieren und Werbung für OKTO machen – falls ihr es noch nicht kennt: Okto ist ein Community TV-Sender für partizipatives Fernsehen. Mit einem Wort: auch ihr könntet eine eigene TV-Sendung machen. Es gibt zwar kein Geld, aber dafür Schulungen zu echt günstigen Preisen (zwischen 20 – 30 Euro) und Studiobenützung, Kameras ausleihen und Schnittplätze gratis. Empfehlenswert! Ich hab heute gerade unsere 16. Sendung abgegeben – und wir machen weiter …

Nähere Infos auf ww.okto.tv oder auch bei mir.





Schon wieder Originale

15 01 2008

Geplant war heute gemeinsames Okto-Schauen bei mir: Walter Fröhlich, der Macher von „Ka-Puff!! – Das Comicmagazin“ hat zur neuen Sendung eingeladen und ich habe meine Wohnung und das TV-Gerät (es gibt nicht so viele, die Okto empfangen können) zur Verfügung gestellt – was soll ich sagen, wir waren die einzigen – gemütlich war’s trotzdem und der Wein exzellent.

Und für mich überhaupt ein Highlight: Walter hat nicht nur den Wein, sondern auch eine Originalzeichnung mitgebracht: den Karasek aus dem Kriminaljournal. Wie erst vor kurzem gesagt: ich werde verwöhnt! 

 karasek01.jpg

Vielleicht brauche ich bald eine größere Wohnung – aber noch gibt es freie Wände in meinem Arbeitszimmer. Jetzt muss ich mich aber erst mal auf die Suche nach einem passenden Rahmen machen … und auf den besten Platz für Herrn Karasek. Kleines Quiz am Rande: Welcher amerikanische Schauspieler – durchaus auch aus dem Krimimillieu – stand für ihn Pate?





Monsterprojekte

10 12 2007

Ich kann mich ja nie an „small is beautiful“ halten – wenn ich was angehe, wird’s immer gleich riesig – auch wenn es zu Beginn nie so geplant war – da ist es ja fast schon ein Wunder, dass ich für Michaela Kirchknopf das Layout für ein nur 20(!)-seitiges Werk gemacht habe: Pocket Dandy – paradoxe Zeichnungen und Texte über das neue Dandytum in „10 lessons“.

  

Also, um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren – ich habe gerade „Berlin Alexanderplatz“ fertig gelesen und auch gleich die DVD-Box der R.W.Fassbinder-Verfilmung dazu gekauft. Vollkommen restauriert – als es 1982 im Fernsehen lief, hatten die meisten ja nur SW-Fernseher und die Übertragung von 16mm-Film auf Video war auch noch nicht, sagen wir es mal so, ausgereift – mit einem Wort: das Ergebnis war ziemlich dunkel, oft war fast nichts zu erkennen – und die Reaktionen dementsprechend heftig. Deutschland hatte wieder mal einen Skandal im Wasserglas.

Jetzt hat der damalige Kameramann Xaver Schwarzenberger die Originalfilme neu abtasten lassen, jede Szene elektronisch bearbeitet, neu farbbestimmt und wo nötig aufgehellt – herausgekommen ist eine Box mit 6 DVDs mit über 15 Stunden Material, inklusive einem Making Of und einer Dokumentation über die Restaurationsarbeiten. Es war gar nicht so leicht, Geld dafür aufzutreiben, da es noch nicht so selbstverständlich ist, Film als Kulturgut zu betrachten, das erhalten und restauriert werden muss.

Und eines kann man der Verfilmung nicht vorwerfen: dass sie nur Teile des Buches wiedergibt – da ist wirklich mal der Glücksfall eingetreten, dass eine TV-Anstalt den Mut zur Länge gehabt hat: ein 450-Seiten-Buch in 14 Folgen – es war auch die teuerste Fernsehproduktion der damaligen Zeit. Zuerst für den Hauptabend geplant, hat sie dann (auch durch die negativen Presseberichte) doch der Mut verlassen und die Sendung auf 21:30 verschoben (offiziell aus Jugendschutzgründen).

Schade, dass RWF schon gestorben ist, sonst hätte ich ihm vorgeschlagen, den Spurenzeichner zu verfilmen. Aber dazu hätte heute sowieso kein Sender mehr den Mut oder den Willen – aber wohl auch nicht für andere nicht massentaugliche Großprojekte. Mitlesende Produzenten, die mich vom Gegenteil überzeugen wollen, sind herzlich willkommen. 😉