Leseprobe

24 02 2012

Wie versprochen, hier der Beginn der Geschichte:

EINE KLEINE GESCHICHTE ÜBER DIE LIEBE

Es gibt so viele Länder und Welten und Planeten dort draußen, von denen wir nur die wenigsten kennen und sie sind alle so unvorstellbar weit weg, dass uns fast schwindlig dabei wird. Doch manche davon gibt es auch in uns, und wir müssen nur an sie denken, damit sie Wirklichkeit werden.

Doch ganz egal, wie weit diese Welten auch weg sind, auf allen herrschen die gleichen Naturgesetze und – was noch viel verwunderlicher ist – auch die gleichen Gefühle. Das Erstaunlichste allerdings ist: in jedem, wirklich jedem dieser Länder gibt es Ferienlager, in denen kleine Buben Heimweh haben.

Aber diese Geschichte beginnt mit einem Mädchen und zwei Monden. Die meisten Planeten haben Monde, manche auch keinen, viele einen und manche gleich drei oder vier. Doch dieser hatte zwei, die meist unterschiedlich schienen, wenn der eine Neumond war, war der andere voll, wenn der eine abnahm, nahm der andere zu. Dadurch hatten es die Meere nicht leicht. Die Wellen wussten selten wohin, und Ebbe und Flut überlegten jedes Mal aufs Neue, zu welchem der Monde sie sich hingezogen fühlten.

Das Mädchen kam später als alle anderen Kinder und das hatte mit den beiden Monden zu tun. Sie musste unaufhörlich niesen, ihre Nase rann und die Augen tränten. Sie war allergisch auf Mondlicht und gerade in diesem Sommer war doppelter Vollmond, etwas, das man vielleicht zwei oder drei Mal sieht in einem ganzen Leben, wenn man Glück hat. Für das kleine Mädchen war es eher Pech oder schlechtes Glück, wie Sanja selbst dazu sagte. Das Mädchen hieß also Sanja – und wenn wir schon bei Namen sind: das Ferienlager war eine ganze Insel voll mit Bäumen und Lianen, Bergen und Schluchten, Flüssen und Wasserfällen, mit Tieren und Büchern. Auf den Landkarten stand Le Sél darüber. Sie musste so einen kurzen Namen haben, weil sie so klein war.

Erst als der größere Mond wieder abnahm und die Tränen, die rinnende Nase und das Niesen weniger wurden, konnte Sanja den U-Zug nehmen. Das war auch der einzige Weg um nach Le Sél zu kommen. Für einen Hafen war der Strand zu flach, die Schiffe wären schon Meilen vor der Küste aufgelaufen, für eine Brücke war das Festland viel zu weit entfernt und für einen Flugplatz war einfach kein Platz, außerdem hätte das die Esel gestört. Die Esel? Von denen erzähle ich gleich, denn der Grund, warum Sanja unbedingt auf die Insel wollte, war das große alljährliche Eselohrenfest und nur wenige Kinder bekamen eine Fahrkarte dorthin. Sanja hatte vier Jahre darauf gewartet und diesen Sommer hatte es endlich geklappt, weil sie die meisten Bücher über Esel gelesen hatte und einfach alles über sie wusste. Und dann kam ihr dieser dumme Doppelvollmond dazwischen.

Das kostete Sanja zwei ganze Tage und eigentlich war das schon viel zu spät. Die anderen waren bereits ins Innere der Insel aufgebrochen. Sie saß ganz alleine in dem U-Zug, aber immerhin hatte sie ein Eilzelt dabei. Jetzt muss ich doch von den Eseln und dem Fest erzählen, sonst kommen wir ganz durcheinander.

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4 responses

25 02 2012
Hannah Sideris

Ich denke, dass die Altersfrage der Verlag beantwortet . . denke ich . . vorab finde ich auch, dass Kinder die Ansprechpersonen sind – also Testleser – lesen lassen und dann mit ihnen ein Gespräch führen – was war spannend, was war beängstigend – nacherzählen lassen, dann bekämst du schon vielleicht ein Gefühl dafür – also nur dür dich. . . Ich finde deine Textprobe – also der Beginn- ist wirklich komplex- macht viele Räume auf – ganz viele – spannend – kriegen wir noch eine winzigkleine Probe in deinem blog?

25 02 2012
Hannah Sideris

momentan hab ich Bilder von Peterchens Mondfahrt, Harry Potter und Herr der Fliegen im Kopf . . . bin gespannt auf die Esel (s ohren / fest) 🙂

25 02 2012
pebowski

Ja, weitere Leseprobe wird kommen, aber nicht gleich 😉
Etwas aus der Mitte mit Dialogen und Abenteuern!

25 02 2012
pebowski

Der erste große Streit zwischen Sandro und Sanja dreht sich ja um Bücher: Eselsohren oder Lesezeichen. 😉
Die Übersetzer werden es schwer haben: das Palindrom Esel und Lese funktioniert halt nur im Deutschen.

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