Werbung wofür?

4 02 2008

Ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt ist mir dieses Plakat aufgefallen – und ich dachte: „Himmel, wofür soll das denn Werbung sein?! Für Freilandeier?“ Obwohl ich es schon eilig hatte, die S-Bahn zu erreichen, wollte ich’s doch genauer wissen.

huhn2.jpg

Es ist die Wiener Werbeakademie. Und es ist wie jedes Jahr: wenn mir ein besonders schlechtes Plakat auffällt, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit eines dieses Instituts. Dabei haben wir mal einen Okto-Beitrag dort gedreht – und die Studenten haben teilweise echt was drauf. Aber die müssen schnell lernen und haben keine Zeit für so was Nebensächliches wie Werbung für die eigene Schule. Das macht gratis eine professionelle Agentur – aber ehrlich gesagt, kann man viel mehr erwarten von einer Agentur, die so ein Logo hat? (und ich fürchte das ist nicht einmal ironisch gemeint) Irgendwie erinnert es mich fatal an ein Beispiel von Vance Packard „Die geheimen Verführer„, wo eine Werbekampagne furchtbar in die Hose ging, weil man zu einer Fertigsuppe gratis Strumpfhosen dazupackte.

Auch im Standard-online wird es heftig diskutiert.

Mein Fazit: „Nicht das Gelbe vom Ei!“

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14 responses

4 02 2008
Richard K. Breuer

Das Logo ist ja definitv letztklassig – wem ist denn das eingefallen?

Aber seit Humanic wissen wir, dass auch die schlechteste, dümmste, aufdringlichste, abartigste, schrägste Werbung funktioniert – Bilder gehen ins Unbewusste, dagegen kannst du dich nur mit Scheuklappen wehren.

Eigentlich frag ich mich, wie eine Welt ohne Werbeplakate aussehen würde (in einer Stadt hat man sie entfernt, aber welche es ist, weiß ich nicht mehr).

4 02 2008
LillY

Ich mag die Plakatlandschaft in Wien eigentlich schon. Und mitunter findet man auch kreative, witzige Ideen, z.b. Kattus – reiß dir eine Flasche auf – mit einem Pinup und Flasche prosecco.
Eau de vienne – eine Kloschüssel als Flaconverschluss
Österreich und speziell Wien hat ja die höchste Plakatdichte in ganz Europa.

Aber das Sujet ist tatsächlich eine Schand und außerdem brauch ich jemanden, der mir erst erklärt, was damit gemeint ist. Jetzt weiß ich es: schnell hingeschissen, aber fertig.
Das Logo – mein Gott mit dem Bundesadler wollen’s halt integer wirken.

4 02 2008
pebowski

@Richard: Aber Humanic war irgendwie professionell gemacht – bei dem würd ich sagen: nur „schnell fertig“

Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen ist (was ja nicht soooo lange her ist), hat es kurz nach der Grenze ein riesiges Plakat am Straßenrand gegeben: „I’m a billboard – I’m selling products“ – also so abwegig war es bis vor kurzem noch gar nicht, ein Land ohne Werbung (außer vielleicht politischer). Und vor kurzem haben sie doch auch im 7. Bezirk als Kunstaktion in einer Einkaufsstraße alle Werbebeschriftungen verhängt.
Wie ich jetzt mal durchs AKH gegangen bin, hab ich mir gedacht, wie würde eine Stadt ohne Beschriftungen aussehen …

4 02 2008
pebowski

@LillY: Viele Plakate find ich ja auch echt gut – deshalb find ich’s ja gerade so schlimm, dass gerade die Werbeakademie immer so einen Topfen macht /machen lässt. Welche ich immer recht kreativ und spannend find, sind z.B. die für die Wiener Festwochen.
Ich hab auch eher das Logo von der TBWA gemeint: das mit dem Hirn und den Flügeln, dem Hammer, dem Schraubenzieher und dem Herz. Bitte, bitte sag mir, dass das wirklich satirisch gemeint ist!!!

4 02 2008
mademoisellepunktchen

Naja okay, für eine Werbeakademie ist es nicht gerade die beste Werbung, aber ist es nicht die schlechte, nervige die einem eher im Gedächtnis bleibt? Geht mir zumindest so. Und das Huhn it schon ein niedlicher Hingucker 😉

5 02 2008
Fröhlich

Die meisten Studenten an der Werbeakademie haben schon was drauf, das ist richtig. Man darf aber nicht vergessen, dass die WIFI ein erzschwarzer Verein ist und alles was das Haus verlässt – vor allem Plakate – vom konservativen Vorstand genehmigt werden muß. Die Kreativen haben da nicht das letzte Wort und innovative Ideen nur dann eine Chance wenn triebgesteuert.

Ich unterrichte Illustration und Storyboard an der WerbeDesignAkademie in Salzburg und bin mit diesem Starrsinn immer wieder konfrontiert, bemühe mich aber so wie die meisten Trainer, den Studenten einzureden, sie können nach der Ausbildung, in der freien Wildbahn der Werbeprofession die kreative Sau raus lassen. Was natürlich glatt gelogen ist aber manchmal doch motiviert.

6 02 2008
Claudia

Als Absolventin der Werbeakademie (ist aber schon fast 20 Jahre her *ächzichwerdalt!* kann ich euch nur eines sagen: Zweck voll erfüllt!!!

Was soll so ein Plakat bewirken? Aufmerksamkeit, Diskussion, Bekanntmachung. Und das ist ja wohl zu 100% aufgegangen 😉

Bin auch vorbei gegangen und habe mich gewundert „was ist denn das?“ Schritte gestoppt und direkt zurückgegangen … dann genau angeschaut, nachgedacht was es mir bitte sagen soll und bis heute gemerkt, wofür es Werbung machen will. Also ein voller Erfolg für den Auftraggeber würd ich sagen.

Was ich gelernt habe ist: Werbung muss nicht schön sein oder verständlich, sie soll das Produkt im Käuferhirn ankern bzw. die Marke bekannt machen, denn letztlich kauft der Normalbürger lieber was er kennt, als was Unbekanntes. Qualität ist was für die oberen 10.000 *seufz*

werblichen Gruß
Claudia

6 02 2008
pebowski

@Claudia: OK, gemerkt und verankert, stimmt. Aber in dem Fall ist es doch eine ganz spezielle Zielgruppe, die da angesprochen wird – im Gegensatz zur eher breiteren von – sagen wir zum Beispiel mal Mannerschnitten oder Coca Cola – und fragen die sich nicht: will ich auf so eine Schule (die ja nicht ganz billig ist), die mir dann sowas beibringt? Fühl ich mich davon angesprochen oder hab ich eh keine Alternative?

6 02 2008
Claudia

letzteres 😉
abgesehen von dem Werbe-Lehrgang an der Uni (da ist aber Berufspraxis nötig soweit ich weiß) gibt’s dazu wenig Optionen im weiten Umkreis – abgesehen jetzt von einem regulären Studium mit Spezialisierung – und so wird vielleicht manche/r aufmerksam, der/die bisher noch nicht einmal an diesen Berufsweg gedacht hat. Obskur oder nicht, es wirkt. Ich erinnere da an Benetton…

6 02 2008
Fröhlich

Mir ging’s genau so. Gesehen, zurückgegangen und mir ins Gedächtnis gebrannt, von den Verantwortlichen nie ein Plakat gestalten zu lassen.

Zweck also voll erfüllt. Zwar nicht im Sinne der Auftraggeber, sondern zum Nutzen der Kunden.

7 02 2008
LillY

Sorry, den Link hab ich wieder einmal nicht gesehen. Herrschaft, das Logo könnte ja fast für den österr. Fußball stehen. Aber Fleißaufgabe gemacht und mir zusätzlich die Etats, sowie die Kampagnen der Agentur angesehen. Alles ziemlich hausbachn und bieder, mit großem Gähnfaktor. Mich spricht das Spiegeleiplakat gar nicht an. Nur weil wir hier darüber sprechen, muss es nicht den Zweck erfüllt haben. Interessant ist es, ob es bei der Zielgruppe überhaupt ankommt.
Die genialsten Köpfe aus dem Grafikbereich sind sowieso die Schulabrecher der Grafischen.

30 03 2008
Christian

Jaja die Werbeakademie und ihre „Außenwerbung“. Als Absolvent der Grafik graust mir – und dem überwiegenden Großteil meiner Kollegen – immer wieder vor dem, was da an Werbung rauskommt. es hat, i glaub es war 2004, a gute Kampagne gegeben (Agenturchefs streiten sich um Grafiker).

Lang isses her und „es kommt nix Besseres nach“, wie man – sehr schön – an der „neuen Website“ sieht. DA kommt einem als Grafiker so richtig das Grausen und man fragt sich, ob man bei einem Bewerbungsgespräch mit jemandem, der die WAK nicht kennt, das überhaupt erwähnen soll.

27 01 2009
Nina (14 Jahre)

Haii ich wollt nur wissen wofür man Werbung macht …
Aber hier steht ja nur irgendwas von ner Werbung oben !!

Ich will das wissen weil ich es für einen Test in der Schule brauch

Eure Nina !!

27 01 2009
pebowski

Es ist Werbung für die Werbeakademie – also auch eine Schule. Steht übrigens im Beitrag – sogar mit einem Link dorthin. Klick einfach, liebe Nina! 😉

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