Monsterprojekte

10 12 2007

Ich kann mich ja nie an „small is beautiful“ halten – wenn ich was angehe, wird’s immer gleich riesig – auch wenn es zu Beginn nie so geplant war – da ist es ja fast schon ein Wunder, dass ich für Michaela Kirchknopf das Layout für ein nur 20(!)-seitiges Werk gemacht habe: Pocket Dandy – paradoxe Zeichnungen und Texte über das neue Dandytum in „10 lessons“.

  

Also, um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren – ich habe gerade „Berlin Alexanderplatz“ fertig gelesen und auch gleich die DVD-Box der R.W.Fassbinder-Verfilmung dazu gekauft. Vollkommen restauriert – als es 1982 im Fernsehen lief, hatten die meisten ja nur SW-Fernseher und die Übertragung von 16mm-Film auf Video war auch noch nicht, sagen wir es mal so, ausgereift – mit einem Wort: das Ergebnis war ziemlich dunkel, oft war fast nichts zu erkennen – und die Reaktionen dementsprechend heftig. Deutschland hatte wieder mal einen Skandal im Wasserglas.

Jetzt hat der damalige Kameramann Xaver Schwarzenberger die Originalfilme neu abtasten lassen, jede Szene elektronisch bearbeitet, neu farbbestimmt und wo nötig aufgehellt – herausgekommen ist eine Box mit 6 DVDs mit über 15 Stunden Material, inklusive einem Making Of und einer Dokumentation über die Restaurationsarbeiten. Es war gar nicht so leicht, Geld dafür aufzutreiben, da es noch nicht so selbstverständlich ist, Film als Kulturgut zu betrachten, das erhalten und restauriert werden muss.

Und eines kann man der Verfilmung nicht vorwerfen: dass sie nur Teile des Buches wiedergibt – da ist wirklich mal der Glücksfall eingetreten, dass eine TV-Anstalt den Mut zur Länge gehabt hat: ein 450-Seiten-Buch in 14 Folgen – es war auch die teuerste Fernsehproduktion der damaligen Zeit. Zuerst für den Hauptabend geplant, hat sie dann (auch durch die negativen Presseberichte) doch der Mut verlassen und die Sendung auf 21:30 verschoben (offiziell aus Jugendschutzgründen).

Schade, dass RWF schon gestorben ist, sonst hätte ich ihm vorgeschlagen, den Spurenzeichner zu verfilmen. Aber dazu hätte heute sowieso kein Sender mehr den Mut oder den Willen – aber wohl auch nicht für andere nicht massentaugliche Großprojekte. Mitlesende Produzenten, die mich vom Gegenteil überzeugen wollen, sind herzlich willkommen. 😉

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