Abwesenheitsfotos

13 09 2009

Vielleicht mache ich jetzt mal eine Fotoserie von Orten in Wien, wo ich mit X einmal war. Man sieht aber auf den Fotos nur die Umgebung (mehr oder minder unscharf – denn der Schärfepunkt liegt auf der nicht vorhandenen Person X)- der eigentliche Schärfebereich ist also im Foto leer. Der Betrachter muss sich X im Foto vorstellen, ihr Bild imaginieren, also fast wie man in einem Buch die Personen vor dem geistigen Auge trotz noch so genauer Beschreibung erstehen lässt. Dem fotografischen Abbild die Phantasie zurückgeben. Vielleicht eine komplett verrückte und absurde Idee – aber immerhin einen Versuch ist es wert. Ich habe ja immer etwas für medienübergreifende Projekte über gehabt.

Es ist in gewisser Weise auch die Umkehrung der Phantomschmerzen: das Phantomglück: gewisse Plätze lösen organisch wieder die Berührungen auf der Haut aus, die man dort erlebt hat. Die Zellen haben sie gespeichert und geben sie wieder.

Klingt alles sehr schräg. Ist es auch.





Die Geschichte von Josef Kainz, dem Krokodil und der Frau des Bezirksvorstehers

23 07 2009

Als ich ein Kind war, sind im Türkenschanzpark noch die sogenannten „Wasserspiele“ aufgeführt worden. Damals war ich leider noch zu klein, um sie mir anschauen zu dürfen, aber meine Eltern und Großeltern sind fast jede Woche einmal hingegangen. Im Türkenschanzpark hat es nämlich einen kleinen Wasserfall aus künstlichen Felsen gegeben, das Wasser ist im Geheimen hinaufgepumpt worden, also so, dass man es nicht gesehen hat, wahrscheinlich aus einem großen Becken unter der Erde bis hinauf zwischen die Sträucher, und dann ist es über die künstlichen Felsen hinunter geflossen in einen Teich und dann über eine abgeschrägte Kante in einen Abfluss hinein. Über den Abfluss ist ein Weg gegangen, und zum Teich hin war eine Absperrung aus weißgestrichenen Metallrohren, wo damals schon die Farbe etwas abgeblättert ist und das dunkle Metall hervorgeschaut hat. Die Absperrung war dazu da, dass keiner von den Zuschauern in den Teich hineinfällt, der gleichzeitig die Bühne war.

 Kainz01

Ich habe keines von den Wasserstücken je gesehen, weil sie für Kinder strengstens verboten waren, ich habe nur immer meinen Großvater am Sonntag beim Kaffee darüber erzählen gehört. Es müssen so eine Art Kasperlstücke für Erwachsene gewesen sein. Und der Kasperl ist mitten im Wasser gestanden und hat seine Späße gemacht, die wahrscheinlich nicht ganz anständig waren, denn meine Mutter hat meinen Großvater oft angeschaut und gesagt: „Geh, doch nicht vor dem Kind.“

Der bekannteste Kasperl der damaligen Zeit war ein gewisser Josef Kainz, sein Denkmal steht heute noch in einem kleinen Park ganz in der Nähe, weil seit der schlimmen Geschichte von damals wollte man ihn im Türkenschanzpark nicht mehr haben. Es war alles etwas kompliziert, wie das in Wien öfters ist, und ich war ja noch ziemlich klein zu jener Zeit, aber später hat mir mein Vater die Geschichte so erzählt:

Der Kainz-Kasper ist damals mit einem echten Krokodil aufgetreten (vielleicht war auch deswegen die Absperrung dort), und das hat der Frau vom Bezirksvorsteher gehört, die es dem Kainz für die Aufführungen geborgt hat. Mit dem Krokodil ist der Kainz doppelt so berühmt geworden wie bisher, und bis aus Kagran sind die Leute in den Türkenschanzpark gepilgert, was damals noch eine große Anstrengung und eine weite Reise gewesen ist. Und so ist der Mann von der Frau Bezirksvorsteher ziemlich wütend geworden, weil ein Kasperl mehr Erfolg gehabt hat als ein Politiker, und er hat seiner Frau verboten, dem Kainz weiterhin das Krokodil zu borgen, weil es sich sonst in dem kalten Wasser im Türkenschanzpark verkühlen könnte oder vielleicht entführt würde, oder ein sadistisch sodomitischer Lustmörder könnte es umbringen oder ähnliche fadenscheinige Ausreden.

Kainz02Was er aber nicht gewusst hat, war, dass seine Frau die Konkubine vom Josef Kainz war und ihm jede Nacht heimlich das Krokodil zugeführt hat und nach der Vorstellung wieder genauso heimlich in den heimatlichen Garten in Neustift zurückgebracht. Alle Leute im Bezirk haben gewusst was gespielt wird, wenn die Frau des Bezirksvorstehers mit dem Krokodil an der Leine die Pötzleinsdorferstraße hinaufspaziert ist, nur der Bezirksvorsteher nicht.
 
Doch kurz vor der nächsten Wahl hat der Kandidat von der Opposition die ganze Geschichte in der „Wiener Zeitung“ veröffentlicht, und obwohl es eh jeder gewusst hat, ist ein Riesenskandal dabei herausgekommen.

Am nächsten Tag ist der Bezirksvorsteher bei der Aufführung den Josef Kainz wie ein Wilder angesprungen, mitten durchs Publikum und über die Absperrung hinweg, und wollte ihn erwürgen. Aber der Kainz hat als Kasperl ja einen riesigen Knüppel in der Hand gehabt und hat dem Bezirksvorsteher in Notwehr eins über den Kopf geschlagen, der ist daraufhin auf den glitschigen Steinen ausgerutscht und ins Wasser gefallen, und dabei hat das Krokodil so einen Schreck bekommen, dass es ihm in einer Kurzschlussreaktion einfach den Kopf abgebissen hat. Als es seinen Irrtum bemerkt hat, war es schon zu spät. Der Kainz hat den Kopf aus dem Wasser gefischt, in die Höhe gehalten und gesagt: „Da hab’n ma jetzt den Salat !“ Das war einer der ganz großen Momente der Schauspielkunst.

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Den Josef Kainz kennt heute noch jeder, wie der Bezirksvorsteher geheißen hat, weiß höchstens noch der Museumsdiener vom Bezirksmuseum in der Martinstraße. Und der ist schon in Pension und wird bald sterben. Aber in dem kleinen Park mit dem Denkmal sieht man heute noch den Josef Kainz, wie er den Kopf vom Bezirksvorsteher in der Hand hält.





She’s always a woman

10 07 2009

Manchmal stößt man – durch Zufall oder durchs Leben – auf ganz alte, verschollene Sachen. Es hat einmal eine Zeit gegeben, da habe ich ein paar Billy Joel Texte auf deutsch übersetzt – auf die bin ich jetzt wieder gestoßen. Und einer passt ganz gut. Ja, ja, wie RKB sagen würde.

 

FÜR MI WAR SIE IMMER A FRAU
(She’s always a woman)

 
Und du stirbst, wann sie lacht,
bist verletzt, wann sie red’t,
und sie lügt mit die Aug’n -
na, vertraun kannst ihr net.
Aber was wirklich denkt,
des zeigt’s dir nie genau.
Sie is wie a Kind,
doch für mi war sie immer a Frau.

Und sie schenkt dir ihr Leb’n,
und sie nimmt’s wieder fort,
sie fragt nach der Wahrheit,
doch sie glaubt da ka Wort.
Sie nimmt all’s, was d’ ihr gibst,
aber z’ruck kriegst es nie,
sie stiehlt wie a Dieb,
doch a Frau war sie immer für mi.

     Oh – sie passt gut auf si auf,
     sie hat Zeit und sie wart
     bis am End do no g’winnt.
     Oh – und sie gibt niemals auf
     und sie gibt a nie nach,
     weil sie draht si mit’m Wind.

Sie verspricht da des Glück
und zerbricht’s glei darauf,
und sie lacht, wann du wanst
und sie acht’ gar net drauf.
Und sie zeigt da, wie’sd bist,
und wie’sd sein sollst für sie,
aber schuld bist du selbst,
weil a Frau war sie immer für mi.

     Oh – sie passt gut auf si auf,
     sie hat Zeit und sie wart
     bis am End do no g’winnt.
     Oh – und sie gibt niemals auf
     und sie gibt a nie nach,
     weil sie draht si mit’m Wind.

Ja, und manchmal is lieb,
aber oft is verstört,
und sie macht, was sie glaubt,
weil’s zu niemanden g’hört.
Du kannst ihr nix erzähl’n,
wirst nie aus ihr schlau -
dann geht’s weg ohne Ziel,
doch sie waß, was sie will,
denn für mi war sie immer a Frau.





Abschied oder so was in der Art

22 06 2009

Ich leb hier im Leuchtturm
mitten in Wien
und nachts schau ich raus aufs Meer.
Und ich denk an Triest
und ich denke an dich
und dann vermiss ich dich sehr.
Doch ich stehe gerade
und mache mich größer
und lerne den aufrechten Gang.
Doch unsere Zeit
war zu klein und zu kurz,
denn du weißt ja: ich brauche lang.

Leuchtturm

Ich steh hier am Leuchtturm
und schicke das Licht
in Kreisen hinaus in die Nacht.
Und ich hör deine Stimme,
dass du die Frau bist,
die mich nicht glücklich macht.
Denn du siehst die Dinge
so wie sie sind,
und ich seh dich so wie ich mag.
Dann wünsch ich dich her
und du schweigst dich fort,
Jahr für Jahr, Hand in Hand, Tag um Tag.

Doch ehe du gehst
nimm mich noch einmal mit
zum Lachen, zum Tanz und zum Fest.
Denn mit der Flut
kommt ein Tag voller Nacht,
der mich wieder weinen lässt.





Alkohol- und drogengefährdete Berufe

24 05 2009

Ganz oben auf meiner Liste:

- Volkstümliche MusikantInnen
- Hoteliers in Touristenhochburgen
- ModeratorInnen in Privatfernseh-Quizshows (diese 0900-Abzocken)

Also kurz gesagt, all jene Berufe, die kein halbwegs an der Menschenwürde hängendes Lebewesen freiwillig machen würde, wäre es nicht auf die eine oder andere (meist monetäre) Art davon abhängig und die naturgemäß von den Ausübenden selbst abgrundtief verachtet werden.

Die Liste ist durch den geneigten Leser gerne ergänz- und erweiterbar.





Der kleine Prinz wird erwachsen

13 01 2009

Heureka! Es hat wirklich funktioniert: nach einem Tag (und viel frischem Wasser) hatte der Knabe schon die Hälfte seiner Größe erreicht. Was bei den Pflanzen nicht funktionierte, war hier von Erfolg gekrönt (sic!):

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Nach 2 Tagen war zur vollen Größe gereift (ca. 3/4 der Dosenhöhe) und steht jetzt etwas windschief aber durchaus königlich cool in seinem Plastikzylinder:
 
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Die Frage bleibt: was nun? Soll ich ihn zu jedem Date mitnehmen? An die Wand werfen? Als Prinzenrolle durchs Wohnzimmer schubsen? Oder der Klassiker: „Darf ich dir meine Kleine Prinzen Sammlung zeigen?!“
Ich glaub, ich lass ihn jetzt einfach mal am Fensterbrett stehen. Mit Wasser? Ohne Wasser? Schrumpft er dann wieder? Soll er aus der Dose befreit werden? Wieviel Platz braucht so ein Prinz?
To be continued …





Der kleine Prinz

5 01 2009

Nachdem die Geschichte mit dem Glücksklee nicht wirklich funktioniert hat – ich hab eben definitiv keinen grünen Daumen und selbst narrensichere Pflanzversuche scheitern bei mir kläglich – und das Jahr 2008 auch dementsprechend nicht wirklich mein bestes war – haben Micha und Norbert einen neuen Anlauf genommen und mir heuer etwas fürs Liebesleben geschenkt: die Verwandlung eines Frosches in einen Prinzen. Ebenfalls ganz einfach. Gut, schauen wir, ob es diesmal klappt. Hier die Anleitung:

Frosch und prinz

1. Dose öffnen
2. Wasser einfüllen
3. Es schäumt
4. Nach einigen Minuten erscheint der Prinz
5. Dose mehrmals ausspülen und frisches Wasser einfüllen
6. Nach 72 Stunden hat der Prinz die volle Größe erreicht

Frosch

Also: frisch gewagt! 1. und 2. sind naturgemäß kein Problem – aber 3.? Es schäumt? Das Wasser wird trüb und grün, der Frosch verliert an Farbe, manchmal blubbert es zaghaft. Aber schäumen? Von wegen! War das eine freche Anspielung auf mein Alter(?!) 

Frosch und Prinz

Also übe ich mich in Geduld und warte auf 4.: „nach einigen Minuten…“? Liegt es an mir oder ist es einfach nur Werbung gegen Wahrheit? Nach einer Stunde(!) ist der Frosch langsam zerbröckelt und zerfallen und … tataaaaaa: der Prinz ist da!

Jetzt kommt wieder der leichte Teil: Nummer 5: ausspülen und frisches Wasser einfüllen.

Prinz

Es bleibt spannend: wird der Prinz nach 72 Stunden die volle Größe erreicht haben? Wie groß ist die volle Größe? Wird er überhaupt wachsen? Findet Pebowski heuer sein Glück? Wie kommt die Prinzessin in die Dose?
Bleiben Sie dran! Wir berichten weiter!





Next Generation

9 12 2008

Heute war Jonathan bei mir, er geht in die 4. Klasse Gymnasium und im Feber haben sie eine Projektwoche über zukünftige Berufswünsche – er will Schriftsteller werden und hat mich dazu besucht und ausgefragt. Ausreden werde ich es ihm nicht, aber ich hab ihm einiges erzählt. Und gemerkt, dass ich doch älter bin. Hab dann an meine eigene Kindheit denken müsse und an den herrlich naiven Enthusiasmus von damals. Parallelen sind durchaus vorhanden.

So soll es sein, so kann es werden …

Und der gute Richard möge es mir verzeihen, dass ich Jonathan vorgeschlagen habe, die Projekttage bei ihm zu verbringen. Schließlich steckt er gerade in einem literarischen Projekt – ich in einem filmischen – somit wäre er der viel geeignetere „Lehrherr“.





Göttinnengeflüster

26 09 2008

Nachdem ich ja geschlechtsbedingt nicht selbst daran teilnehmen kann, aber sicher bin, dass Regina das ziemlich spannend und kreativ macht, gibt es jetzt mal Werbung in nicht eigener Sache:

Deine Intuition ist die Stimme der Göttin

Deine Kreativität ist der Ausdruck der Göttin

Dein Zwischenraum ist der Raum der Göttin

Dein Lachen ist das Tor der Göttin

Deine Sexualität ist das Fest der Göttin

Dein Tod ist die Verbindung der Göttin

 

Öffne in diesem Seminar für Frauen Deine Sinne und Dein Herz und mache Dich mittels Tanz, Schreiben, Malen, Rollenspiel auf eine Entdeckungsreise zu Deiner Göttlichkeit

 

Beginn:         27. Oktober 2008

Termine:       Montag 14tägig 8x  18.30-20.00

10.11. , 24.11., 1.12., 15.12.2008, 12.1., 26.1., 9.2.2009

Raum:           Om Esoterik, Nußdorferstraße 26, 1090 Wien

Kosten:          12 € (gesamt 96 €)

Begleitung:  Regina Riss

Tanz- und Ausdruckstherapeutin

Mühlschüttelgasse 35/1/16

1210 Wien

01 52 62 290

Regina.riss@gmx.at

 

Bitte um persönliche Anmeldung mittels Telefon oder email bei Regina Riss bis 1 Woche vor Beginn





Goldene Zeiten?

6 06 2008

40 Jahre habe ich am Gürtel gewohnt – nach dem großen Kinosterben ist das große Geschäftssterben gekommen – außer natürlich der einen Art Geschäfte, die immer noch und immer floriert. In meinem Haus war Jahrzehnte lang ein Stempel-Geschäft, dann für kurze Zeit hat man dort Wasserbetten angeboten, auch die gingen baden. Dann stand das Lokal leer. Bis vor kurzem heftige Betriebsamkeit ausbrach und ein Teil der Mauer in Gold gestrichen wurde.

Der Innenraum ist mit Möbeln und Kunst vollgepackt, auf den Gängen stehen Sesseln, und ich habe keine Ahnung was dort entstehen wird und soll. Es hängt draußen nur ein Briefkasten: „Centurio Lounge“. Eine Galerie oder ein Club. Was auch immer, ich halte die Daumen.

      

Wer einmal vorbeischauen will: 1180, Währingergürtel 75 – gleich neben dem Porno-Kino, das nur dadurch, dass es eines wurde, dem oben zitierten Kinosterben entging, dann trotzdem schloss und wundersamerweise wiedereröffnete, das jetzt auf einer Fläche von 15 Reihen zu 7 Sitzen „3 Kinosäle mit 3 Filmen zu 1 Preis“ bietet – „Damen und Paare gratis“ – doch das ist eine andere Geschichte und ich weiß nicht, ob die erzählt werden soll.