Abwesenheitsfotos

13 09 2009

Vielleicht mache ich jetzt mal eine Fotoserie von Orten in Wien, wo ich mit X einmal war. Man sieht aber auf den Fotos nur die Umgebung (mehr oder minder unscharf – denn der Schärfepunkt liegt auf der nicht vorhandenen Person X)- der eigentliche Schärfebereich ist also im Foto leer. Der Betrachter muss sich X im Foto vorstellen, ihr Bild imaginieren, also fast wie man in einem Buch die Personen vor dem geistigen Auge trotz noch so genauer Beschreibung erstehen lässt. Dem fotografischen Abbild die Phantasie zurückgeben. Vielleicht eine komplett verrückte und absurde Idee – aber immerhin einen Versuch ist es wert. Ich habe ja immer etwas für medienübergreifende Projekte über gehabt.

Es ist in gewisser Weise auch die Umkehrung der Phantomschmerzen: das Phantomglück: gewisse Plätze lösen organisch wieder die Berührungen auf der Haut aus, die man dort erlebt hat. Die Zellen haben sie gespeichert und geben sie wieder.

Klingt alles sehr schräg. Ist es auch.





Kinetische Kunst

5 09 2009

Dort, wo man es am wenigsten erwartet, warten oft die erfreulichsten Überraschungen: im Ars Electronica Center in Linz, wo ja die digitale Welt sozusagen zu Hause ist, gibt es einen Raum voller unglaublicher analoger, mechanischer Maschinen: mit Gestängen, Miniatur-Motoren, Zahnrädern – kinetische Kunstwerke, die mit einfachsten Mitteln ein Maximum an Poesie und Staunen verursachen.

ganson

Wie zum Beispiel diese Skulptur, wo aufgespannte, grob gerissene Papierstreifen auf Stangen montiert sind, die durch einen Motor angetrieben, langsame Auf- und Abwärtsbewegungen vollführen und so die perfekte Illusion eines fliegenden Vogelschwarms vermitteln. Wir waren hin und weg und hätten das gerne fürs Wohnzimmer gehabt. Ich fürchte nur, diese Werke sprengen mit Leichtigkeit unseren finanziellen Rahmen. Wem wir jetzt Gusto gemacht haben: der Tüftler und Erschaffer all dieser kleinen Wunder heißt Arthur Ganson.





Studio 18 Wasserbetten

15 06 2008

Die im Enstehen begriffene Galerie hat jetzt auch einen richtigen Namen: Studio 18 Wasserbetten

Vielleicht klingt der Name etwas seltsam, hat aber vielleicht parktische Gründe. Wie schon erzählt, befand sich vorher in dem Lokal ein Wasserbettenstudio, was man auch am Schild noch deutlich sehen kann. Und nachdem so eine Beschriftung sicher nicht zu den billigsten Austauschobjekten gehört, war es wahrscheinlich einfacher, die Galerie an die bereits vorhandene Beschriftung anzupassen als umgekehrt. Und es hat schon Tradition: auch die Wasserbetten haben den Stempel-Aufsatz übernommen und nur die Schrift ausgetauscht. Archäologen hätten wahrscheinlich ihre Freude daran, wie man hier in Schichten die verschiedenen Verwendungen anhand eines einzigen Schildes ablesen kann – und zeigt gleichzeitig die Ambivalenz historischer Rekonstruktionen auf. Wieviele Deutungsmöglichkeiten gäbe es selbst hier, würde man die Geschichte nicht aus erster Hand kennen?!

Zurück zum Thema: Vernissage ist am Dienstag, den 17. Juni ‘08 um 18:30.





Goldene Zeiten?

6 06 2008

40 Jahre habe ich am Gürtel gewohnt – nach dem großen Kinosterben ist das große Geschäftssterben gekommen – außer natürlich der einen Art Geschäfte, die immer noch und immer floriert. In meinem Haus war Jahrzehnte lang ein Stempel-Geschäft, dann für kurze Zeit hat man dort Wasserbetten angeboten, auch die gingen baden. Dann stand das Lokal leer. Bis vor kurzem heftige Betriebsamkeit ausbrach und ein Teil der Mauer in Gold gestrichen wurde.

Der Innenraum ist mit Möbeln und Kunst vollgepackt, auf den Gängen stehen Sesseln, und ich habe keine Ahnung was dort entstehen wird und soll. Es hängt draußen nur ein Briefkasten: „Centurio Lounge“. Eine Galerie oder ein Club. Was auch immer, ich halte die Daumen.

      

Wer einmal vorbeischauen will: 1180, Währingergürtel 75 – gleich neben dem Porno-Kino, das nur dadurch, dass es eines wurde, dem oben zitierten Kinosterben entging, dann trotzdem schloss und wundersamerweise wiedereröffnete, das jetzt auf einer Fläche von 15 Reihen zu 7 Sitzen „3 Kinosäle mit 3 Filmen zu 1 Preis“ bietet – „Damen und Paare gratis“ – doch das ist eine andere Geschichte und ich weiß nicht, ob die erzählt werden soll.